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Buchhandlung am Sand - Buchtipps
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Tolle Bücher - empfohlen von Margret Kroll

Monika Held, "Trümmergöre"

Jula, die Ich-Erzählerin unserer Geschichte, hat in einer Wohnungsannonce die Wohnung entdeckt, in der sie mit ihrer Großmutter und ihrem Onkel ab Anfang der 50er Jahre im Nachkriegs-Hamburg aufgewachsen ist. In einem Zeitrückblick erzählt sie uns von ihrer Kindheit.

Mit vier Jahren wird sie von ihrem Vater, der in den diplomatischen Dienst eingetreten ist, bei der Großmutter abgegeben. Dort wächst sie die nächsten Jahre auf. Die Großmutter geht tagsüber arbeiten und Jula ist weitgehend auf sich gestellt. Aber es gibt ja noch Onkel Hans. Er lebt auch in der Wohnung, aber Großmutter und Onkel Hans reden nicht miteinander und schaffen es irgendwie sich in der Wohnung nicht zu begegnen. Mit Onkel Hans „geht sie arbeiten“ - er handelt mit Gebrauchtwagen. Zusammen verbringen sie die Tage auf dem Schrottplatz, reparieren, waschen, polieren ihre Autos. Er wird ein Freund, mit dem sie über alles reden kann. Mit ihm und seinen Freunden Trümmer-Otto und Inge Musch, einer Bordsteinschwalbe, lebt sie glücklich in ihrem Kiez. Nach fast zehn Jahren holt der Vater jedoch seine Tochter zu sich zurück. Entsetzt über das „Gossenkind“, das aus Jule geworden ist, möchte er ihr in der Diplomatenvilla den fehlenden Schliff verpassen.

Monika Held ist ein bemerkenswerter Roman über die Nachkriegszeit in Deutschland, speziell Hamburg, gelungen. Es ist ein besonderer Mix aus unterschiedlichen Gesellschaftsformen. Sehr gut herausgearbeitet hat sie den Zusammenhalt der Kiezfreunde. Die tiefen Wunden, die der Krieg bei vielen hinterlassen hat und das Schweigen, das darüber gebreitet wurde, lässt aber auch die Spuren bei der nachfolgenden Generation erkennen.

Eichborn Verlag – gebunden - 237 Seiten – Preis: 19,99 € - ISBN 978-3-8479-05707

 

Jennifer Clement, "Gebete für die Vermissten"

Ein Roman, der in Mexiko spielt, einem Land, das sich inzwischen weit von seinem Image des Urlaubslandes mit Sombrero entfernt hat. Die Autorin, Jennifer Clement, wurde 1960 in Connecticut geboren, wuchs in Mexiko Stadt auf, studierte in New York und Paris Literaturwissenschaften und Lyrik. Von 2009 – 2010 war sie Präsidentin des mexikanischen PEN. Für diesen Roman hat die Autorin über zehn Jahre lang vor Ort recherchiert und Interviews mit Mädchen und Frauen geführt, denn in Mexiko verschwinden jedes Jahr Tausende von Mädchen und Frauen. Die Regierung schätzt die Zahl der Vermissten im Jahr 2012 auf über 10000 Fälle. Die Dunkelziffer jedoch liegt wohl noch höher. In Mexiko werden Frauen auf offener Straße entführt oder mit vorgehaltener Waffe aus ihren Häusern verschleppt. Sie kehren nicht von der Arbeit, einer Party oder einem Spaziergang zurück. In ihren Interviews mit Frauen, Freundinnen und Töchtern von Drogenhändlern, ist der Autorin klar geworden, das Mexiko wie ein Kaninchenbau voll versteckter Frauen ist. „Drogen kann man nur einmal verkaufen – Mädchen immer wieder“.

Jetzt zum Roman: Unsere Hauptfigur ist Ladydi Garcia Marquez. Sie lebt alleine mit ihrer Mutter auf einem Erdhügel im Bundesstaat Guerrero südlich von Mexiko Stadt. Männer gibt es in ihrem Dorf nicht mehr - entweder sind sie fort um Arbeit zu suchen oder tot. Ladydi muss sich von klein auf verkleiden und verstecken. Die Mütter in ihrem Dorf erzählen oft sie hätten einen Jungen geboren und bemalen die Gesichter der Mädchen mit Kohle. Sobald in der Nähe des Dorfes die schwarzen SUV´s der Drogenhändler auftauchen, werden alle alarmiert und die Kinder versteckt. Um diese Kindheitserinnerungen geht es im ersten Teil des Romans. Im zweiten Teil des Romans versucht Ladydi alldem zu entkommen und eine Anstellung als Kindermädchen in Acapulco anzutreten.                 

Das Buch hat nur 228 Seiten, kurze Kapitel - aber atmosphärisch entwickelt sich eine kraftvolle mitnehmende Romanhandlung, die auch eine Dokumentation über den Überlebenskampf - stellvertretend für viele Frauen in Mexiko - sein kann.

Suhrkamp Verlag – gebunden - 218 Seiten Preis: 19,95 € - ISBN 978-3-5184-2452-0

 

Pia Ziefle, „Länger als sonst, aber nicht für immer“

Dieser Titel ist das zweite Werk von dieser jungen Autorin und wieder geht es ums Erwachsenwerden, dem Finden der eigenen Wurzeln und dem Verzeihen. Es ist ein Buch der leisen Töne und handelt von drei jungen Menschen: Ira, die ihr Studium abgebrochen, eine kleine Tochter bekommen hat und in einer Bäckerei arbeitet, von Lew, mitte 30, unterwegs in Indien und auf der Suche nach seinen Eltern und von Fido, der vor Jahren mit dem Großvater nach Deutschland fuhr, um die Mutter zu suchen, die als Gastarbeiterin nach Deutschland ging. Was verbindet diese drei jungen Menschen? Wo haben sich ihre Wege gekreuzt? In leisen Tönen lässt Pia Ziefle Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen. Es muss aufmerksam gelesen werden, um fein gesetzte Schilderungen nicht zu überlesen. In allen drei jungen Leben geht es um Verletzungen, an denen man aber nicht scheitern muss, sondern an denen man wächst und die einen neue Lebenswege einschlagen lassen.

Ein Buch für alle, bei denen es nicht nur um leichte Lektüre geht.

Arche Verlag – gebunden - 282 Seiten – Preis: 19,99 € - ISBN 9783716027158

 

Regina Scheer, „Machandel“

Machandel - welch ein wohlklingendes Wort. Ein anderes Wort für Wacholder. In diesem Falle handelt es sich um ein kleines fiktives Dorf in Mecklenburg - Vorpommern, irgendwo zwischen Güstrow und Teterow angesiedelt. Und es ist neben ‚Kruso‘ der zweite große DDR Roman des Herbstes.

Regina Scheer stellt uns hier einen vielschichtigen Generationenroman vor. Sie selbst ist 1950 in Berlin geboren. Sie hat an der Humboldt Universität Theater und Kulturwissenschaften studiert und zu DDR Zeiten immer wieder Lyrik veröffentlicht und Literaturzeitschriften mit herausgegeben. Es gibt einige Sachbücher von ihr zum Thema Holocaust.

Machandel ist ihr erster Roman, der einen Zeitbogen von den 30er Jahren bis in die Gegenwart spannt und die Leben von fünf Personen behandelt, deren Namen auch die Kapitel des Romans betiteln. Hauptfigur ist unter anderem Clara, die 1985 Machandel kennenlernt, als sie mit Jan, ihrem Bruder, der kurz vor seiner Ausreise aus der DDR steht, den Ort seiner Kindheit besucht. Clara entdeckt für sich ein Sommerhaus, eine Datscha - ein Rückzugsort wie viele andere Ostdeutsche sie auch hatten. Auch Claras Vater Hans ist Protagonist des Romans. Er, der Kommunist, überlebte in Machandel den Todesmarsch aus dem KZ Sachsenhausen und übernahm später in der DDR politische Verantwortung. Dann gibt es da Herbert, ein Freund von Jan, der die DDR Opposition mit begründete. Und in Machandel selbst leben noch: Emma, die auf der Flucht vor den Bombenkriegen sich im Dorf einer Großfamilie annahm und Natalja, die aus Smolensk in Weißrussland als Zwangsarbeiterin nach Mecklenburg verschleppt wurde und nach Kriegsende blieb. Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven ergibt sich ein großer Fundus an Lebensgeschichten, der zu einem beeindruckenden Roman über deutsche Geschichte geworden ist.

Ein toller deutscher Roman über das ‚andere Deutschland‘. Die Autorin sagt, es sei kein autobiographischer Roman, aber man entdeckt schon einige Parallelen.

Knaus Verlag – gebunden - 473 Seiten – Preis: 22,99 - ISBN 978-3-8135-0640-2 €

 

 

 

































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