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Buchhandlung am Sand - Buchtipps
Lesezeit zum Ersten
die vielen Tipps von Katja Cebulla

Buchtipp Nr. 1:

Jüdische Geschichte in Berlin - absolut mitreissend

Markus Flohr: Alte Sachen

Das ist mal wieder so ein Buch, das mich schon beim ersten Anblick, also rein optisch verzückt hat. Was für eine schöne Gestaltung! Ganzleinen in rot und creme mit einem Wäschezeichen als Titel. Selbst meine Tochter, deren Interesse an Büchern sich wirklich in Grenzen hält, wollte diese schöne Buch sofort anfassen.

Der Roman spielt in Berlin auf zwei, eigentlich sogar drei Ebenen, wenn man die Briefe Selmas mitrechnet. Alles beginnt in der Gegenwart mit der Abiturientin Rieke, die sich nach einer durchfeierten Nacht vor einer Schneiderei wieder findet. Diesen Laden führt der junge Israeli Lior, dessen Schneiderkünste allerdings deutlich zu wünschen übrig  lassen. Rieke beginnt sich für ihn zu interessieren, sie fängt Feuer, sie versucht zu ergründen, was der seltsame Schneider wirklich in Berlin vor hat. Als Lior verschwindet, beginnt sie zu recherchieren.

Dann lernen wir den 13-jährigen Otto Kartberg kennen, der mit seiner Mutter in den dreissiger Jahren in Berlin lebt. Die Mutter ist Schneiderin und bekommt eine Stelle bei dem renommierten Modebetrieb Mäntel Rettig. Otto und seine Mutter ziehen in die Wohnung über dem Laden, zu Adam Rettig und seinen Kindern Selma und Nils.

Alles könnte schön sein, Otto lernt viel und verliebt sich auf eine unglaublich zart beschriebene Art in die um einiges ältere Selma. Aber es sind die dreissiger Jahre, bald tragen immer mehr von Ottos Schulkameraden braune Hemden, die Situation der jüdischen Geschäfte wird immer schwieriger. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, schließlich müssen sich Meister Rettig und seine Kinder verstecken.

Nun entwickelt der Roman einen regelrechten Sog, es gibt viel zu erfahren über die damalige Zeit, über die schwedische Viktoria-Gemeinde, die Juden versteckt hat und bei der Ausreise geholfen hat und über die sogenannte „Aktion Schwedenmöbel“. Die verschiedenen Ebenen fügen sich elegant ineinander und nach und nach wird klar, was wirklich passiert war. Ich habe oft beim Lesen hin- und her geblättert, die Briefe und manche Passagen erneut gelesen, da sie beim Fortgang der Handlung ihre Bedeutung verändern. Ach, es war schade, als es zu Ende war...

Also alles in allem ein Buch, das von innen hält, was es von aussen verspricht. Sehr schön!

UND: Am 26. Mai 2016 wird Markus Flohr zu uns kommen und aus dem Buch lesen und uns einiges erzählen! Mehr Infos ab Mitte April !!!

Kindler Verlag - gebunden - 488 Seiten - Preis:19,95 € - ISBN 978-3-463-40653-4

 

Buchtipp Nr. 2:

Ein kleines Juwel

Irmgard Keun: "Kind aller Länder"

Dieses Buch war zum ersten Mal 1938 in einem Exilverlag in Amsterdam erschienen. Irmgard Keun durfte zu dieser Zeit in Deutschland nicht mehr veröffentlichen, ihr Werk zählte zur sogenannten schädlichen „Asphaltliteratur“. Nun hat der KIWi Verlag das „Kind aller Länder“ neu aufgelegt, und das ist wunderbar.

Das Buch spielt 1936 und erzählt aus der Perspektive der zehnjährigen Kully, wie sich ein Emigrantenleben in den dreissiger Jahren angefühlt haben muss. Kullys Vater ist ein in Deutschland verbotener Schriftsteller, weswegen die kleine Familie von einem Land ins andere, von Hotel zu Hotel zieht, während der Vater versucht Geld aufzutreiben.

Kully schildert die gräßliche Lage und die oftmals grotesken Situationen mit einer Mischung aus kindlicher Scharfsicht und Naivität. Sie will spielen, lernt alle möglichen Sprachen ganz nebenbei und versucht der gebeutelten Mutter eine Stütze zu sein. Sie beobachtet das Weltgeschehen während sie hindurchreist und weiß viel über „gefährliche“ Regierungen und die verschiedensten Strategien ohne Geld zu überleben. Es verschlägt sie sogar mit dem Vater in die USA, von wo sie alleine zurückreisen muss, um die Mutter nachzuholen.

Irmgard Keun selbst ging 1936 nach Ostende, wo sie Joseph Roth kennen und lieben lernte und man kann annehmen, dass die Eltern Kullys ein Abbild ihrer selbst und Roths in der Exilzeit sind.

Dieser Text ist etwas ganz Besonderes, ein wahrhaftiges Zeitdokument. Und durch die Kinderperspektive gewinnt er einen besonderen Charme. Die Sätze wirken stellenweise wie hintereinander gefügte Tagebucheintragungen oder naive Poesiealbensprüche. Das ist ein wenig ungewöhnlich zu lesen, aber man gewinnt einen sehr interessanten Einblick in diese Zeit. Ein kleines Meisterwerk!

Kiepenheuer & Witsch Verlag - gebunden - 214 Seiten - Preis: 17,99 € - ISBN 978-3-462-04897-1

Jüdische Geschichte in Berlin - absolut mitreissend

 

Buchtipp Nr. 3:

Mein Buch!!!

Milena Busquets: Auch das wird vergehen

Ich hatte schon einiges von den Neuerscheinungen gelesen und fand vieles ganz interessant und manches ganz gut, aber noch nichts so richtig wundervoll. Aber dann habe ich dieses Buch angefangen und nach ein paar Seiten wußte ich, jaaaaa, das ist mein Buch! Wie schön!

Die Hauptperson ist Blanca, sie ist vierzig, lebt in Barcelona, hat zwei Söhne von verschiedenen Männern und leider vor kurzen ihre Mutter verloren.

Davon, vom Verlust der geliebten Mutter handelt im Grunde das Buch. Vom Abschied, vom Loslassen und Nicht-Fassen-Können. Blanca ist sehr traurig, aber sie hat ein so flattriges, lockeres Wesen, dass ihre Geschichte mich beim Lesen keinesfalls schwermütig werden lies, höchstens vielleicht ein wenig melancholisch.

Eine ganze Weile nach der Beerdigung der Mutter beschliessen Blancas Freundinnen, dass sie etwas Ablenkung vertragen könnte und so fährt sie mit ihren Söhnen, dem Kindermädchen, diversen Freunden und Ex-Ehemännern in das ehemalige Haus ihrer Mutter in Cadaqués, um etwas auszuspannen. Blanca hat in diesem Dorf viele Sommer verbracht und obwohl sie dort das Gefühl hat, ihrer Mutter auf Schritt und Tritt zu begegnen, hat der Ort eine besondere Wirkung auf sie, dort fühlt sie sich frei.

Natürlich spürt man Blancas anhaltende Traurigkeit, sie wendet sich immer wieder direkt an ihre Mutter, weite Passagen des Buchs werden in der zweiten Person erzählt, aber das Ganze hat dennoch eine sehr sommerliche flirrende Leichtigkeit, sicherlich zum einen auf Grund des Schauplatzes, ein spanisches Dorf am Meer, aber zum anderen auch wegen Blancas besonderer Art vielfältigen Genüssen nicht abgeneigt zu sein. Sie ist eine leidenschaftliche Frau, die, da sie nun mit dem Tod in Berührung gekommen ist, versucht sich lebendig zu fühlen beziehunsgweise das Leben zu spüren.

Blancas Sicht auf die Welt hat mich sehr berührt, amüsiert, aber oft auch nachdenklich werden lassen. Ein tolles Buch, leicht wie eine Sommerbrise, aber voller kluger Gedanken über das Leben!

Suhrkamp Verlag - gebunden - 170 Seiten - Preis: 19,95 € - ISBN 978-3-518-42527-5

 



























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