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Buchhandlung am Sand - Buchtipps
Lesezeit zum Dritten
Frau Krolls' Favoriten des Frühjahrs

Buchtipp Nr. 1:

Ein pralles deutsches Leben

Christoph Hein, "Glückskind mit Vater"

Hauptperson unseres Romans ist Konstantin Boggosch, ein pensionierter Lehrer in einer ostdeutschen Kleinstadt. Er lebt mit seiner Gattin ein ruhiges zurückgezogenes Leben. Die Ehe ist kinderlos geblieben und der Freundeskreis überschaubar. Eines Tages erreicht Herrn Boggosch ein Brief mit einer Steuernachforderung, adressiert an Konstantin Müller. Jetzt mit 67 Jahren muß Herr Boggosch sich seiner Vergangenheit stellen, über die er selbst mit seiner Gattin nicht gesprochen hat.

Glückskind wurde Konstantin von seiner Mutter genannt. 1945 beim Einrücken der Russen wurde sie wegen ihrer Schwangerschaft rücksichtsvoll behandelt. Sie durfte in der großen Villa verbleiben, was eine große Erleichterung für sie bedeutete. Nach zwei Stunden stand der russische Major aber erneut vor der Tür: "Zwei Koffer- zwei Stunden und sie haben das Haus verlassen und sagen sie nicht, wie alle Deutschen, sie hätten von nichts gewusst". Nach diesen Worten war nichts mehr wie zuvor.

Tja, und so kam auch der Titel des Buches zustande "Glückskind mit Vater". Der Vater Gerhard Müller, Besitzer der Buna Vulkano Werke beschäftigte nicht nur Zwangsarbeiter. Er war SS Brigadeführer und in Polen und Russland für Massenhinrichtungen und Folterungen verantwortlich und wurde kurz vor Kriegsende für seine Verbrechen hingerichtet.

Konstantin, welcher seinen Vater nie kennengelernt hatte, wuchs unter dem Mädchennamen seiner Mutter auf und erfuhr erst mit 11 Jahren die Wahrheit über seinen Vater, als die Kaderakte verhinderte, dass der sportbegabte Junge eine Zulassung fürs Sportinternat bekam.

Nicht nur dabei spielt die Vergangenheit eine Rolle in Konstantins Leben; er wird nicht zum Abitur zugelassenen, er darf nicht das Studium an der Filmhochschule antreten, er darf kein Schulleiter werden. Immer wieder taucht der Vater in seinem Leben auf. Ein spannendes Zeitdokument vom Ende des 2. Weltkrieges, über die Entstehung der DDR und ihren Untergang.

In dem Roman gibt es einige Bezüge auf das Leben des Autors: Christoph Hein wuchs nach Kriegsende in der DDR auf. Da er als Pfarrerssohn nicht auf die weiterführende Oberschule durfte, besuchte er bis zum Mauerbau ein ev. Gymnasium in Westberlin. Nach dem Mauerbau machte er sein Abitur dann auf einer Abendschule. Jetzt sind wir wieder bei der Kaderakte – Gymnasium beim Klassenfeind und auch noch Pfarrerelternhaus – so wurde ihm das Studium an der Filmhochschule in Potsdam Babelsberg verweigert...Christoph Hein hat dann Philosophie und Logik in Leipzig und Berlin studiert. Er arbeitete als Dramaturg an der Volksbühne und später als freier Schriftsteller. 1989 war Hein einer der Mitorganisatoren der Friedensdemonstrationen auf dem Berliner Alexanderplatz. Schon 1987 forderte er auf dem DDR Schrifstellerkongress die Abschaffung der Zensur.

Ein aufrechter Streiter und ein wunderbarer Erzähler. Ein Roman, der einen hineinzieht in dieses deutsche Leben.

Suhrkamp Verlag - gebunden - 526 Seiten - Preis: 22,95 € - ISBN 978-3-518-42517-6

 

Buchtipp Nr. 2:

Very, very British

Das Buch, mit dem schönsten Cover des Frühjahres.

Isabel Bogdan,  "Der Pfau"

Der Pfau ist eine wunderbare britische Komödie: Der Roman spielt in den schottischen Highlands. Dort lebt Lord Mc Intosh nebst Gattin, Köchin und Gärtner auf einem riesigen Anwesen. Damit die Kosten für das riesige Herrenhaus sich einigermaßen in Grenzen halten, sind die ehemaligen Wirtschaftsgebäude zu Feriencottages umgebaut worden. Auf den riesigen Freiflächen leben die Pfauen, die der Lord seiner Gattin einmal geschenkt hat - wie viele es sind weiß niemand. Meistens sieht man sie nicht; nur ihre Rufe hörte man weit übers Gelände. Und einer dieser Pfauen wird zur Hauptperson des Romans. Keiner weiß genau warum, aber dieser Pfau wird ziemlich verrückt bei allem, was blau ist.

Alles geschah in der Woche, in der eine Bankerin mit ihrer Abteilung und Teambuilderin zu einem Workshop anreist. Die Kommunikation in der Abteilung funktioniert nicht und die Teilnahme an dieser Teambuildingsmaßnahme ist mehr Pflicht als freiwillig gewählt. In very britisher Manier entwickelt sich ein flott erzählter Roman, der durch einen unerwarteten Wintereinbruch völlig anders verläuft als geplant. Ein wirklich sehr unterhaltsamer und pointenreicher Roman. Macht einfach Spaß!

Isabel Bogdan besucht seit 25 Jahren dieses schottische Anwesen, bis auf den Pfau sind alle Figuren fiktiv, dafür taucht dieser Vogel aber immer wieder auf. Verflixt....

Kiepenheuer Verlag - gebunden - 256 Seiten - Preis: 18,99 € - ISBN 978-3-462-04800-1

 

Buchtipp Nr. 3:

aktueller gehts nicht..

Abbas Kider, "Die Ohrfeige"

Kharim Mensy ist Flüchtling aus dem Irak, der in Deutschland vor 9/11 eine Duldung erhalten hatte. Nach dem Sturz Husseins jedoch verändert sich für viele Asylanten der Status. Wer bisher als verfolgt galt, ist es nicht mehr, dafür sind jetzt die Hussein Getreuen die Verfolgten. Und Kharim Mensy soll nun abgeschoben werden. Ein letztes Mal sitzt er bei seiner zuständigen Sachbearbeiterin Frau Schulz. Er hat sie geohrfeigt, an den Stuhl gefesselt und jetzt gelingt ihm, was er vorher nie erreicht hatte. Sie muss ihm zuhören und so erfährt der Leser seine Geschichte: seine Flucht aus dem Irak, die ihn eigentlich nach Frankreich führen sollte, aber in der tiefsten bayerischen Provinz endet, sein Staunen über deutsche Eigenarten, sein Kampf mit Formularen und das Leben in den Asylunterkünften, die Langeweile, weil er nicht arbeiten darf, das Warten auf Entscheidungen...

Abbas Khider zieht den Leser mit seiner Erzählung in den Bann und widmet sich dem zentralen Thema unserer Zeit - warum verlassen Menschen ihre Heimat und wo finden sie eine neue Heimat? Es würde uns allen gut tun auf diese leisen Stimmen zu hören, ohne dass wir wie Frau Schulz an einen Stuhl gefesselt werden.

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Mit 19 Jahren wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Nach der Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich als "illegaler" Flüchtling in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland und studierte Literatur und Philosophie in München und Potsdam. 2008 erschien sein Debütroman "Der falsche Inder", es folgten die Romane "Die Orangen des Präsidenten" (2011) und "Brief in die Auberginenrepublik" (2013). beide bei Nautilus erschienen.

Hanser Verlag - gebunden - 220 Seiten - Preis: 19,90 € - ISBN 978-3-446-25054-3
























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