Markus Flohr

26. Mai 2016, 19:00 Uhr

Markus Flohr, Alte Sachen

Wer  bei unserer letzten Lesezeit dabei war, weiß schon Bescheid:

Am Donnerstag, den 26. Mai um 19:00 Uhr wird Markus Flohr seinen Roman „Alte Sachen“ vorstellen!

Karten zum Preis von je 7,- € sind ab sofort bei uns erhältlich!

Die liebe Kollegin, Frau Cebulla hatte die Geschichte um die Abiturientin Rieke und den jüdischen Schneider Lior in Berlin mit Begeisterung gelesen. Hier ihre Rezension:

„Jüdische Geschichte in Berlin – absolut mitreissend:

Das ist mal wieder so ein Buch, das mich schon beim ersten Anblick, also rein optisch verzückt hat. Was für eine schöne Gestaltung! Ganzleinen in rot und creme mit einem Wäschezeichen als Titel. Selbst meine Tochter, deren Interesse an Büchern sich wirklich in Grenzen hält, wollte diese schöne Buch sofort anfassen.“

Der Roman spielt in Berlin auf zwei, eigentlich sogar drei Ebenen, wenn man die Briefe Selmas mitrechnet. Alles beginnt in der Gegenwart mit der Abiturientin Rieke, die sich nach einer durchfeierten Nacht vor einer Schneiderei wieder findet. Diesen Laden führt der junge Israeli Lior, dessen Schneiderkünste allerdings deutlich zu wünschen übrig  lassen. Rieke beginnt sich für ihn zu interessieren, sie fängt Feuer, sie versucht zu ergründen, was der seltsame Schneider wirklich in Berlin vor hat. Als Lior verschwindet, beginnt sie zu recherchieren.

Dann lernen wir den 13-jährigen Otto Kartberg kennen, der mit seiner Mutter in den dreissiger Jahren in Berlin lebt. Die Mutter ist Schneiderin und bekommt eine Stelle bei dem renommierten Modebetrieb Mäntel Rettig. Otto und seine Mutter ziehen in die Wohnung über dem Laden, zu Adam Rettig und seinen Kindern Selma und Nils.

Alles könnte schön sein, Otto lernt viel und verliebt sich auf eine unglaublich zart beschriebene Art in die um einiges ältere Selma. Aber es sind die dreissiger Jahre, bald tragen immer mehr von Ottos Schulkameraden braune Hemden, die Situation der jüdischen Geschäfte wird immer schwieriger. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, schließlich müssen sich Meister Rettig und seine Kinder verstecken.

Nun entwickelt der Roman einen regelrechten Sog, es gibt viel zu erfahren über die damalige Zeit, über die schwedische Viktoria-Gemeinde, die Juden versteckt hat und bei der Ausreise geholfen hat und über die sogenannte „Aktion Schwedenmöbel“. Die verschiedenen Ebenen fügen sich elegant ineinander und nach und nach wird klar, was wirklich passiert war. Ich habe oft beim Lesen hin- und her geblättert, die Briefe und manche Passagen erneut gelesen, da sie beim Fortgang der Handlung ihre Bedeutung verändern. Ach, es war schade, als es zu Ende war…

Also alles in allem ein Buch, das von innen hält, was es von außen verspricht. Sehr schön!

Kindler Verlag – gebunden – 488 Seiten – Preis: 19,95 €

Und so freut sich das www:
„Ein elegant erzähltes Buch, das von Verfolgung, Flucht und der Kraft der Liebe erzählt – mit beeindruckendem Gespür für historische Zusammenhänge“

Zum Autor: Markus Flohr, geboren 1980 in Hannover, ist Journalist und Autor. Er studierte Geschichte in Hamburg und Jerusalem, besuchte die Henri-Nannen-Schule, war Redakteur bei Spiegel Online. 2011 wurde er mit dem Buchpreis Hirzen ausgezeichnet. Heute arbeitet er für ZEIT, SPIEGEL und Merian; er unterrichtet Journalistisches Schreiben an der Universität Hamburg. Sein großes Interesse gilt der dritten Generation nach der Schoah. „Alte Sachen“ ist sein erster Roman. Markus Flohr lebt mit Frau und Tochter in Hamburg.

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