Café Finito

Von Frau Volks hatte ich vor langer Zeit schon mal einen Roman vorgestellt: „Torstraße 1“, in dem es um die wechselvolle Geschichte des ersten Kreditwarenhauses in Berlin ging. Jetzt wieder ein Roman, der in Berlin spielt.

Ein Großteil der Handlung spielt auf dem dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin. 1762 ausserhalb der Stadtmauern angelegt, inzwischen mittendrin, neben der Charite. Ein Ruhepol im quirligen Berlin und letzte Station für eine Unzahl an bekannten Persönlichkeiten: Bertold Brecht, Helene Weigel, Dietrich Bonhoeffer, Friedrich Hegel, Heinrich Mann, Ivan Nagel, Heiner Müller, Otto Sander, um nur einige zu nennen. Einigen von ihnen werden wir des nächtens auf dem Friedhof begegnen. Aber besuchen Sie den Friedhof lieber einmal tagsüber auf Ihrer nächsten Berlinreise, ein lohnendes Ziel. Dort werden Sie das ockergelbe Gebäude des fiktiven Cafe Finitos finden. Es existiert real und es war auch ein Cafe darin, es ist aber jetzt geschlossen.

Café Finito, was für ein treffender Name für ein Café auf dem Friedhof. Seit vielen Jahren betreibt Kristof Fährer das Café , er ist der Friedhofsverwalter und so etwas wie die Seele vom Ganzen, er sorgt für die Lebenden und Toten. Einmal im Jahr bietet Kristof eine Trauergruppe in seinem Cafe an, die Auswahl der Teilnehmer trifft er und wir werden die Teilnehmer ein ganzes Jahr begleiten. Es wird ein Jahr, in dem sich für alle etwas verändert, auch für uns Leser. Dieser Roman verändert den Blick auf das Lebensende. Es entsteht soviel Wärme und die Erinnerung an Gewesenes bietet Chancen für Vergeben, den Blick nach vorn, Neubeginn und Perspektivwechsel. Ja und trotz des häufigen Tabuthemas Tod ist es ein hoffnungsvolles, zum Teil humoriges Buch mit zum Teil sehr skurrilen Persönlichkeiten.

(Margret Kroll)

Informationen:
  • Stand: November 2025
  • C. Bertelsmann Verlag – Gebunden – 330 Seiten
  • Preis: 22,- €
  • ISBN: 978-3-570-10540-5
Bücherwurm der Buchhandlung am Sand