Der Wassertänzer

Nachdem ich den Essayband  „Zwischen mir und der Welt“ von Ta-Nehisi Coates so unglaublich gut fand, war ich hocherfreut, als eine größere Leseprobe seines neuen Buchs „Der Wassertänzer“ in der Buchhandlung eintraf. Ich habe sie sofort und sehr gerne gelesen. Warum nun aber Monate vergangen sind, bis ich das dazugehörende Buch gelesen habe, kann ich auch nicht genau sagen. Vielleicht haben mich die 540 Seiten abgehalten, denn dicke Bücher schaffe ich nicht so oft am Stück und meistens beginne ich dann irgendwann dünnere Bücher dazwischenzuschieben.

Nun habe ich den Wassertänzer aber endlich gelesen und zwar am Stück, denn ich war von Beginn an mitgerissen. Die Seiten flogen nur so dahin. Es war eine der Lektüren, bei der man beginnt zu lesen und beim nächsten Hochsehen bereits 50 Seiten weiter ist.

„Der Wassertänzer“ ist Coates erster Roman und spielt in West Virginia zu Zeiten der Sklaverei. Er erzählt die Geschichte des jungen Hiram Walker, der auf einer Tabakplantage aufwächst und sich nicht mehr an seine Mutter erinnern kann, weil sie verkauft wurde und das, obwohl ihr „Besitzer“ sein Vater ist. Hiram ist ein besonderer Junge. Er ist sehr intelligent und hört gut zu, weshalb Menschen ihm gerne ihre Sorgen erzählen. Doch das ist nicht alles, denn seine Mutter hat ihm eine geheimnisvolle Gabe vermacht, die er verstehen möchte. Und er will frei sein. Er plant seine Flucht und gelangt in die Kreise des Underground, dem Netzwerk das sich der Sklavenbefreiung widmet und für das seine Kräfte sehr nützlich sein können. Hiram kommt weit herum und findet auf seinem Weg Stück für Stück zu sich selbst.

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich auf diese Superkraftsache hätte verzichten können und versuche, das für mich als Sinnbild für eine besondere Menschlichkeit oder Hinwendung zum Guten zu sehen. Denn Hiram ist ein guter Mensch, er schultert seine Aufgaben und hilft, wo er kann. Manchmal eigensinnig, aber liebenswert. Ich habe ihn gerne auf seinem Weg begleitet.

„Wer weiß, warum wir lieben, was wir tun? Warum wir sind, wie wir sind? Ich sage Euch, ich war dem Underground längst verpfändet. Alles, was ich über wahre Menschlichkeit wusste, über Loyalität und Ehre hatte ich in diesem letzten Jahr gelernt. (…) Und dennoch war der kleine Junge in mir nicht gestorben. Ich war, der ich war, und konnte mir meine Familie nicht aussuchen, selbst wenn sie mich zurückwies, so wenig wie ich mir ein Land aussuchen konnte, das uns ebenso zurückwies.“

Besonders zu erwähnen ist noch der Übersetzer Bernhard Robben, der in seiner Nachbemerkung auf die Schwierigkeit der Übersetzung aus dem Black American English, eingeht, in dem das Buch über weite Strecken hin, verfasst ist.

(Katja Cebulla)

Informationen:
  • Stand: Juli 2020
  • Blessing Verlag – gebunden – 544 Seiten
  • Preis: 24,- €
  • ISBN: 978-3-89667-658-0

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