Die Briefträgerin

Die Autorin schreibt die besondere Geschichte ihrer Urgroßmutter Anna. Die junge Anna kommt 1934 mit ihrem frisch angetrauten Gatten Carlo von Norditalien ins Heimatdorf Carlos nach Süditalien. Bisher war Anna sehr selbstständig und arbeitete als Lehrerin, aber in ihrem neuen Heimatdorf ist es nicht üblich, dass die Ehefrauen berufstätig sind. In diesem Rollenbild kann Anna sich nicht wiederfinden. Wir werden Anna in ihrem Dorf über 30 Jahre begleiten. Sie ist gebildet, belesen, und überrascht alle, als sie die Briefträgerin des Dorfes wird. Das gab es noch nie, eine Frau in dieser Männerdomäne. Zuerst ist sie zu Fuß unterwegs, später mit dem Fahrrad. Viele versuchen, sie zu entmutigen,weil sie es für Wahnsinn oder gar einen Skandal halten, dass eine Frau einen Männerberuf ausübt. Als Carlo, ihr Mann, ihr sagt, dass es keine weiblichen Briefträger gäbe, antwortet Anna stolz: „Bis jetzt.“ In diesem „bis jetzt“ steckt die gesamte Bedeutung ihrer Geschichte. Anna ist eine Feministin, eine Frau ihrer Zeit weit voraus, die den Weg für alle ebnete, die nach ihr kamen. Sie setzt sich für das Frauenwahlrecht ein, trägt als erste im Ort Hosen und erkennt mit der Gründung des „Frauenhauses“, dass Freiheit und Befreiung von Frauen ohne wirtschaftliche Selbstständigkeit, Bildung und gegenseitige Unterstützung unmöglich ist.

Das besondere Cover mit einer Frau auf dem Weg verspricht eine besondere Geschichte und der Leser bekommt auf 500 Seiten einen wunderbaren Roman mit italienischem Flair. Absolute Leseempfehlung für diesen Erstlingsroman der Autorin.

(Margret Kroll)

Informationen:
  • Stand: April 2026
  • btb Verlag – Klappbroschur – 504 Seiten
  • übersetzt aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
  • Preis: 18,- €
  • ISBN: 978-3-442-77615-3
Bücherwurm der Buchhandlung am Sand