Ein weites Leben
Die fünfköpfige Familie MacBride bewirtschaftet seit Generationen die abgelegene Schaffarm Meredith Downs in Westaustralien. Sie haben 20.000 Schafe auf knapp eine Millionen Morgen Land, 70% davon sind nutzbar. Salzseen, Steilhänge und Lehmpfannen, flache vom Wind geschaffenen Stellen, die sich bei Regen mit Wasser füllen. Bei einem schweren Unfall kommen der Vater Phil und der älteste Sohn Warren ums Leben. Das karge, raue Leben der Familie wird zerstört.
Der jüngste Sohn Matt überlebt schwer verletzt, körperlich erholt er sich schneller als von dem schweren Schädel-Hirn Trauma, dessen Heilung noch einige Zeit in Anspruch nimmt.
«Es ist, als wäre ich gar kein Mensch, sondern nur eine Geschichte, die mir jemand anderes erzählen muss.»
Nach Wochen der Behandlung kommt Matt wieder auf die Farm, zu Mutter Lorna und seiner Schwester Rosie. Mühsam und zielstrebig findet er zurück in das alte Leben.
Unter dem Verlust des Vaters und des großen Bruders leidet auch Rosie. Sie, die eher rebellische und etwas draufgängerische Schwester, sucht ihren eigenen Weg und hat ihre Träume. Aber die Tragödie hat auch sie verändert. Als Rosie früh verstirbt, hinterlässt sie Andy, ihren kleinen Sohn, der jetzt bei Lorna und Matt aufwächst. Freunde, Pete Peachey, der Kängurujäger, sowie Miles Beaumont, ein Verwaltungspraktikant aus England, und Nachbarn unterstützen die Familie, im Outback hält man zusammen.
«Die endlose und zeitlose Landschaft Westaustraliens ist wie ein eigener Charakter, anhand dessen die unscheinbare und vergängliche Existenz von uns Menschen sichtbar wird.» (M. L. Stedman)
Bis das Schicksal ein zweites Mal zuschlägt. Und plötzlich steht nicht nur Matts Leben auf dem Spiel, sondern auch seine Seele. Für diese emotionale sowie moralische Reise gibt es keinen Kompass. Er wird eine Wahl treffen müssen zwischen Liebe und Pflicht, Opfer und Glück.
Frau Stedman sagt: Ein zentrales Thema sind das Motiv des Erinnerens und Vergessens, ein durch aus zweischneidiges Schwert. Wenn es ein Wort für Erinnern an Dingen gibt, sollte es auch eines für das Vergessen geben. Einen Vergesserung? Beides formt unsere Familien, Gesellschaften und uns Individuen. Was sollten/können wir vergessen, wer hat ein Recht darauf zu bestimmen, was erinnert wird oder was im Lauf der Zeit verschwindet?
Endlich ein neuer Roman von Frau Stedman. Zehn Jahre, solange dauerte die Recherche sowie das Schreiben dieses Buchs. In einer ruhigen, aber unfassbar sogentwickelnden Sprache in Kombination mit dieser Geschichte… das zusammen hat mich sofort abgeholt und mitgenommen.
Ein Roman zum Eintauchen und dranbleiben. Beindruckend und grandios.
(Katrin Gesterding)
Informationen:
- Stand: April 2026
- Blanvalet Verlag – gebunden – 528 Seiten
- übersetzt aus dem Englischen von Cornelius Hartz
- Preis: 26,- €
- ISBN: 978-3-7645-1005-3