Gelbe Monster

Ein Roman von Clara Leinemann

Charlie sitzt mit einem blauen Auge und einer sehr ramponierten, bandagierten Hand bei ihrer besten Freundin Ella fest. Sie darf bei ihr weiter wohnen, wenn Charlie zu einem Anti-Agressionstraining geht. Aber dieses Training besuchen doch nur Schwerverbrecherinnen, mault Charlie und macht sich sehr widerwillig auf den Weg. Dabei googelt sie, was einen schlechten Menschen ausmache.

Was ist passiert? An einem schönen Sommertag lernt Charlie diesen tollen jungen Mann kennen, der viel zu schön und zu attraktiv für sie ist! Der wäre doch viel eher an Ella interessiert. Überhaupt interessieren sich immer alle für Ella, der alles zufliegt, die der Mittelpunkt jedes Treffens ist und die dabei gar keine feste Beziehung führen möchte. Aber der junge Mann hat tatsächlich mit Charlie Nummern ausgetauscht. Und natürlich: sich dann nicht gemeldet.

Bei einer zufälligen Begegnung treffen sich beide wieder. Er hat eine Freundin (wunderschön und so cool!) und fängt trotzdem was mit Charlie an. Er trennt sich tränenreich. Und Charlie schwebt über allen Wolken, sie kümmert sich nur noch wenig um ihr Mathe-Studium und um die tollen Jobangebote aus Spanien. Sie hat ja ihn. Und das ist das erste mal, dass sie so fühlt. So verdammt viel fühlt. Wenn er nicht zurückschreibt, dann kommt sie ihn auf der Arbeit besuchen. Oder hängt zufällig dort herum oder lädt sich dahin ein, wo er gerade hingehen möchte. Denn mit ihm fühlt sie sich schön, gut und wertvoll. Und ohne ihn fühlt sie gar nichts davon.

Dass er eigentlich noch um seine Exfreundin trauert, das versteht sie. Sie gibt ihm Zeit. Das versichert sie ihm immer wieder. Und dass er mit ihr reden kann. Und dann schnappt Charlie auf, dass er gar nicht mit ihr über Dinge spricht. Sondern mit anderen Freunden. Sie ist außer sich. Sie liebt ihn und er hat sich gefälligst ihr gegenüber korrekt zu verhalten. Er bringt sie dazu so gewaltsam zu werden! Sie hasst ihn! Sieht er denn nicht, wie sehr sie sich lieben?

Dass er ein passiver Idiot ist, ist dann die andere Seite der Beziehung. Dass er sie immer wieder hängen lässt, sich trennt, zurückkommt, ihren Beistand braucht, dann auf Abstand geht. Eine schlimme, sehr schleichende Verschlechterung. Und dann eskaliert alles und nun weiß Charlie es: sie ist ein schlechter Mensch. Und Ella ist zu gut. So gut, dass sie vielleicht die einzige ist, die ihr helfen kann.

Mit Witz und ganz leicht wird von einer wütende Frau erzählt, die Verlust und Entzug von Liebe nur ganz schwer ertragen kann und dann wortwörtlich zurückschlägt. Sie lernt Verantwortung zu übernehmen und an den Geschichten der anderen Frauen ihr eigenes Handeln zu erfassen um aus einer Spirale der Angst und Scham auszusteigen. Ein so fesselnder wie spannender Roman mit vielen hippen jungen Erwachsenen, einem konstanten Anstieg an Eskalationspotential und dabei so unterhaltsam wie ein guter Roman von Caroline Wahl.

Klare Empfehlung!

(Laura Pawletko)

Informationen:
  • Stand: Juni 2026
  • Suhrkamp Verlag – gebunden – 192 Seiten
  • Preis: 22,- €
  • ISBN: 978-3-518-43300-3 

Bücherwurm der Buchhandlung am Sand