Gott wohnt im Wedding

Ein Roman von Regina Scheer

Regina Scheer, Gott wohnt im Wedding

Regina Scheer ist vielen von Ihnen sicher von ihrem letzten Werk dem Roman „Machandel“ bekannt.

Diesmal liegt, wie der Titel des Romans schon sagt, die Handlung des Romans nicht in einem kleinen Dorf, sondern im Wedding, dem Stadtbezirk Berlins der 1861 eingemeindet wurde. Ab 1890 begann im Wedding eine rege Bautätigkeit: Wedding war ein traditionelles Arbeiterviertel, anfangs noch mit Toilette auf halber Treppe und vielen kleinen Geschäften. Wer es „besser“ haben wollte, suchte sich in den 60 er-70 er Jahren einen anderen Stadtteil und viele Gastarbeiter, Einwanderer und Studenten zogen nach.

Jetzt sind viele der Gebäude vom Abriss oder Generalrenovierung bedroht – Gentrifizierung ist das Stichwort. Es geht um ein Haus im Wedding, in der Utrechter Straße, 120 Jahre alt. Dieses Haus begleitet uns durch den Roman, erzählt uns von seinem Bau, dem Zeitgeschehen, dem Wedding und seinen Bewohnern. Es gibt aber auch die Geschichten der Bewohner des Hauses in der Gegenwart:

Da ist Gertrud Romberger, sie wurde 1918 in dem Haus geboren und hat ihr gesamtes Leben in diesem Haus verbracht. Jetzt droht ihr der Rauswurf aus der Wohnung – alle anderen Bewohner des Hauses sind schon umgezogen. Strom und Wasser werden immer mal wieder abgestellt. In den anderen Wohnungen leben, ohne Mietvertrag, mal Polen, Bulgaren oder Rumänen. Zur Zeit leben sehr viele Roma und Sinti im Haus, die für sie Botengänge übernehmen und sie mit betreuen. Wir lernen Laila kennen, die im Wedding einen Blumenladen hat. Laila kümmert sich um die Sinti und Roma, versucht sie bei Behördengängen zu unterstützen. Was Laila nicht weiß, aber das kluge Haus uns erzählt, dass Lailas Familie vor dem 2. Weltkrieg auch schon in diesem Haus gelebt hat. Eine weitere wichtige Person ist Leo, der nach dem Krieg mit seiner Frau nach Israel ausgewandert ist und dort einen Kibbuz mit aufgebaut hat. Jetzt ist er mit seiner Enkelin Nira nach Berlin gekommen um eine Erbangelegenheit zu klären. Auch Leos Geschichte ist eng mit dem Haus in der Utrechter Straße verbunden.

Regina Scheer hat schon mehrere Bücher zum deutsch-jüdischen Verhältnis geschrieben, jetzt fließt das Verhältnis zu den Roma und Sinti und die Vereinsamung der Alten mit in den Roman ein. Ein spannender Roman aus der Sicht eines Hauses und seiner Bewohner, das so sicherlich nicht nur im Wedding, sondern auch in Altona stehen könnte. (Margret Kroll)

Informationen:
  • Stand: März 2019
  • Penguin Verlag – gebunden – 407 Seiten
  • Preis: 24,00 €
  • ISBN: 978-3-328-60016-9

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