Hazel sagt nein
Hazel ist gerade mit ihrer Familie vom kosmopolitischem Brooklyn nach Maine gezogen. Für ihre Familie soll das eine Verbesserung werden, da Hazels Vater nach jahrelangem Suchen endlich eine Professur ergattert hat.
Doch am ersten Schultag wird Hazel plötzlich in das Büro des Schuldirektors zitiert. Sie kennt ihn bereits, da er in den Ferien im gleichen Freibad wie sie und ihr kleiner Bruder regelmäßiger Gast war und sie sich über Literatur ausgetauscht haben. Nun teilt er ihr etwas unglaubliches mit: Dass er jedes Jahr eine Schülerin für eine sexuelle Beziehung aussucht und dieses Jahr soll sie es werden. Dafür kann er ihr Empfehlungen für Unis schreiben und vieles möglich machen. Oder all ihre Träume kurzerhand zerstören. Und Hazel sagt nein und flieht nach Hause.
Das Problem ist, dass die ganze Stadt dem Schuldirektor sehr zugetan ist. Er hat die einst heruntergekommene Kleinstadt-Schule wieder zu einem tollen Ort gemacht und er engagiert sich für viele gemeinnützige Projekte. Und dann zieht eine Großstadtfamilie dazu und plötzlich soll der Direktor Schülerinnen aufs schlimmste erpressen und Unaussprechliches von ihnen fordern?
Die Geschichte nimmt sehr viel Fahrt auf, als Hazel bei einem Vortrag an der Uni ihres Vaters auf die Bühne geholt wird und sie von dem Vorfall in der Schule erzählt. Und wie es (in den USA) so kommt, wird ihre Geschichte zunehmend vermarktet. Aber Hazel möchte einfach nur ihr altes Leben zurück.
Der Roman wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Aus der von Hazel, ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder. Durch die tolle Innenschau der Personen bekam die Geschichte eher das Potential eines Familienromans. Es geht nicht nur ernst zu, sondern es steckt sehr viel Witz dazwischen und ganz liebevoll erstellte Personen: Die kreative, modebewusste Mutter, die irgendwie keine Idee für ihre neue Modelinie hat und auf der Veranda Joints raucht und sich nach einem Sushi-Restaurant sehnt. Der zerstreute Vater, der nicht ohne Salzcracker existieren kann. Der kleine Bruder mit ADHS, der zu aufgekratzt ist, wenn er seine Medikamente nicht regelmäßig einnimmt und der besonders charmant den Durchblick behält und wiederum manches gar nicht verstehen kann. Und Hazel, die unter einem Imposter Syndrom leidet.
Ein wirklich schöner Roman, der viel zum nachdenken anregt und gleichzeitig wunderbar unterhält.
(Laura Pawletko)
Informationen:
- Stand: Mai 2026
- Bastei Lübbe Verlag – gebunden – 384 Seiten
- Preis: 22,- €
- ISBN: 978-3-7577-0196-3