Ich würde so etwas nie ohne  Lippenstift lesen

Michaela karl Lippenstift

Michaela Karl ist 1971 in Straubing geboren. Sie ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin und Schriftstellerin und hat mehrere Bücher und Biographien geschrieben, unter anderem „Noch einen Martini und ich liege unterm Gastgeber“, eine Biographie über Dorothy Parker.

Ich habe in letzter Zeit einiges begonnen und wieder weggelegt, manches ganz gelesen und dabei immer öfter ein Gefühl von „das kenn ich doch schon“ gehabt. Nichts vermochte mich so richtig zu fesseln, bis ich tadaaa: „ Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen.“, die großartige Biografie von Michaela Karl über Maeve Brennan aufgeschlagen habe. Das perfekte Buch für diesen Moment, genau das, was mir fehlte. Ich bin begeistert!

Ein wunderbares Buch über eine absolut faszinierende Frau.

Michaela Karl gelingt es, einen ganz und gar für die überaus talentierte und faszinierende Wahl-New Yorkerin Maeve Brennan einzunehmen. Diese war so klug und lebendig, eine Stilikone ihrer Zeit, nicht immer glücklich, aber stets unabhängig, berufstätig, elegant und selbstbestimmt. Autonomie war ihr absolut lebenswichtig.

1917 als Tochter von Una und Robert Brennan, die für die irische Unabhängigkeit gekämpft hatten, in Irland geboren, kommt Maeve 1933 mit ihrer Familie nach Washington, wo ihr Vater bald zum irischen Gesandten ernannt wird. Nach ihrem Studium verlässt Maeve in den 40ern Washington Richtung New York, wo sie sich schnell zu Hause fühlt. Sie wohnt in wechselnden Hotels, Apartments und bei Freunden. Obwohl ihre Stelle als Bibliothekarin sie erfüllt, beginnt sie zu schreiben, zunächst für Harper’s Bazaar und dann für das hoch angesehene Magazin „New Yorker“. Kurze, gepfefferte Buchkritiken, Kurzgeschichten und zwischen 1954 und 1981 ihre Kolumne über die Long-Winded Lady, „die langatmige Lady“ die später auch als Sammelband erscheint. Was für ein unglaublich interessantes Leben! 

Maeve sprengt oftmals die Moralvorstellungen ihrer Zeit, sie lebt wild und ruhelos und oft genug kommt der New Yorker für ihre Schulden auf. Und es heisst, sie wäre das Vorbild für Holly Golightly in Capotes Frühstück bei Tiffany gewesen…

Vom irischen Bürgerkrieg und der Entstehung der IRA über die New Yorker Modeszene der 40er Jahre und die verblüffende Kollegialität beim New Yorker, bis hin zu Maeves recht tragischem Ende 1993. Ich bin dem Lebenslauf dieser beachtlichen Schriftstellerin mit großem Genuss gefolgt und ihr, dank Michaela Karl, schon ein wenig verfallen. 

(Katja Cebulla)

Informationen:
  • Stand: November 2019
  • Hoffmann und Campe  – gebunden – 352 Seiten
  • Preis: 22,- €
  • ISBN: 978-3-455-50414-9

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