Marzahn mon amour

Ein Roman von Katja Oskamp

Katja Oskamp Marzahn mon amour

Was für ein reizendes Buch! Ich war absolut beglückt! Die Art und Weise, wie Katja Oskamp die Menschen beschreibt, denen sie die Füße pflegt, ist wunderbar, wirklich. Einfühlsam, zart und mit dem richtigen Gespür für Tragik und Humor gleichermaßen. Wie „so ganz einfache Leute“ oft gar nicht so einfach sind und wieviel sich in einem Leben verbergen kann. Leicht und unaufgeregt erzählt, hinterlässt es einen tiefen Eindruck. Bei mir jedenfalls. Und auch bei Katrin Gesterding, die auch hingerissen war von diesem so menschlichen Blick auf eine kleine Welt. Wir müssen ehrlich sagen, dass wir diesem Buch zunächst nicht die verdiente Beachtung geschenkt hatten. Es ist nämlich bereits im letzten Sommer erschienen, denn bei ‚Geschichten einer Fußpflegerin‘, naja, da hatten wir doch zunächst so leichte Zweifel. Aber zu Unrecht! Es lohnt sich unbedingt!

„Mit der Strassenbahnlinie M6 fahre ich 14 Stationen nach Osten, an den Berliner Rand. Die Reise dauert einundzwanzig Minuten. Ich steige aus und registriere den Temperaturunterschied. Wie immer kommt mir das Wetter in Marzahn, einst die größte Plattenbausiedlung der DDR, intensiver vor als in der Innenstadt. Die Jahreszeiten riechen stärker.

Unser Kosmetikstudio ist keine zwei Gehminuten von der Haltestelle entfernt. Der Erdgeschosslage verdanken wir viele Kunden mit Krücken, Rollatoren und Rollstühlen. Ich kippe den Kopf in den Nacken, und zuverlässig erfasst mich das Zwergengefühl ob der achtzehn Stockwerke, die auf dem Studio lasten. Hier am Fuße dieses gewaltigen Gebäudes, gehe ich der Fußpflege nach.“

Zu dem Buch kam es, weil Katja Oskamps schriftstellerische Karriere ins Stocken gekommen  und sie in ihren „mittleren Jahren“, nachdem die Tochter ausgezogen und ihr Mann schwerkrank geworden war, eine neue Herausforderung suchte, wie man so schön sagt. Kurz, irgendwie musste Geld verdient werden und so besucht Oskamp einen Fußpflegekurs und arbeitet fortan im Kosmetikstudio ihrer Bekannten Tiffy in Marzahn. In einzelnen Kapiteln beschreibt sie ihre Kundschaft, die aus den umliegenden Plattenbauten zu ihr kommt und das gelingt ihr von Frau Guse bis hin zu den Eheleuten Huth aufs Wunderbarste. Ich war ja zunächst wirklich auch skeptisch, aber nun bin ich froh, dass ich dieses schöne kleine Buch endlich gelesen habe. Kann ich eigentlich so allen ans Herz legen, also vielleicht außer denen, die sich vor Füßen gruseln. 

„Ich bin hier zu Hause, in Berlin, und auf meiner schwimmenden Insel in Marzahn. Meine Liebe ist flüssig geworden und passt in die unwahrscheinlichsten Zwischenräume. Das Bittere, das ich vor mir hertrug, ist verschwunden und mit ihm der letzte Rest jugendlicher Arroganz. An ihrer statt registriere ich eine beginnende Altersmilde, die zuweilen in einen leisen Hang zum Kitsch mündet, siehe little pink flowers.Ist mir egal. Es sieht mich ja keiner.“

(Katja Cebulla)

Informationen:
  • Stand: März 2020
  • Hanser Verlag – gebunden – 144 Seiten
  • Preis: 16,- €
  • ISBN: 978-3-446-26414-4

 

 

 

 

 

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