Nicht mein Ding

Ein Roman von Jami Attenberg

Jami Attenberg Nicht mein Ding

 

Aus dem Englischen von Barbara Christ.

Andrea ist 39 und Single und kinderlos. Sie lebt in New York und ist es mehr als leid, dass jeder beim Erscheinen eines neuen Buchs über Singles automatisch an sie denkt.

„Alte Freundinnen vom College posten Links zu Kritiken davon auf meiner Facebook-Seite und schreiben Sachen wie: „Klingt, als könnte dir das gefallen“ oder „Das hat mich an dich erinnert“. Ich denke: Muss mir das jetzt gefallen? Weil, es gefällt mir nicht. Es missfällt mir. Wo ist mein „Missfällt mir“ – Button? wo klicke ich, um zu schreien?“ 

Andrea will frei sein. Familie und Kinder sind „nicht ihr Ding“ Mit ihrem ganz eigenen Blick auf die Welt geht sie durch ihr einigermaßen wildes Leben. Einen Hauch neurotisch und verschroben, aber liebenswert. Sie hat ein günstiges, weil schon immer im Familien“besitz“, Apartment in Brooklyn und einen mehr als einträglichen Job in der Werbung, den sie von ganzem Herzen hasst. Eigentlich wollte sie doch Künstlerin werden… hach ja, warum die Karriere als Künstlerin scheitert, ist auch so eine Sache…

Sie hat diverse, auch sehr sonderbare, Affären und eine nicht unproblematische Familiengeschichte und gelegentlich trinkt sie ein Glas zu viel, oder zwei.

Ich finde sie großartig!

Ein bisschen böse, ein bisschen haltlos, ab und an verzweifelt und doch mit einem riesengroßen Herz, das ihr manchmal ein Schnippchen schlägt. 

„Es verunsichert mich immer für ein paar Tage, mit der persönlichen Wahrheit anderer konfrontiert zu sein. Dann laufe ich herum mit dem Gefühl, dass ich ihr Wesen trage wie einen Pullover. Bei Greta ist es ein Neoprenanzug. Es dauert eine Woche, bis ich mich endlich aus ihr herausschälen kann, doch eines Morgens wache ich nackt in meinem Apartment auf, und ich bin wieder ich, und sie ist weg. Keine Greta mehr, denke ich. Keine kranken Babys mehr, keine traurigen Brüder mehr, keine verlorenen Mütter mehr. Sie sind dort und ich bin hier. ich bin frei. und dann kaufe ich für Thanksgiving ein Zugticket Richtung Norden, weil sie mir alle so gottverdammt fehlen, und wenn ich sie nicht bald Wiedersehen, berühre und mit ihnen rede, übersteh ich dieses Leben nie.“

Andreas tragik-komische Geschichte wird in nichtchronologischen Kapiteln erzählt, so dass man ihr langsam von verschiedenen Seiten näher kommt, das fand ich sehr gut gemacht. Man bekommt einen sehr guten Einblick in all ihre Facetten.

Alles in allem war das ein Buch, das mir riesengroßen Spaß gemacht hat. Schmunzeln, laut lachen, ratloses Staunen und Tränchen, ja die auch, war alles dabei. 

Es gibt bestimmt Menschen, denen Andrea beim Lesen gewaltig auf den Geist gehen könnte, weil sie schon etwas speziell ist, aber ich war über alle Maßen erfreut und bin sehr  gern mit ihr durch New York geschlendert. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass sehr viele Bücher, die ich mag in New York spielen. Mag ich und empfehle ich allen, die Spass an trockenem, schwarzem Humor und gelegentlich schrägen Begegnungen haben. Und ich bin nun natürlich sehr interessiert an Jami Attenbergs anderen Romanen, denn dies war bereits ihr vierter.

(Katja Cebulla)

 

  • Stand: März 2020
  • Schöffling Verlag – gebunden – 224 Seiten
  • Preis: 22,- €
  • ISBN: 978-3-89561-357-9

 

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