„Pina fällt aus“
Das Buch scheint zwar wegen dem Titel um Pina zu gehen, aber es dreht sich eigentlich um ihren zwanzigjährigen Sohn Leo.
Pina ist alleinerziehend, lebt in einer unschicken Gegend in Wuppertal, hat Magenschmerzen und einen Sohn, der vermutlich Autismus hat. Ganz genau wird das nie für den Leser geklärt. Leo hat strubbelige, blonde Haare und wenn er morgens aus seinem Zimmer guckt, sieht er ein bisschen aus, wie ein Rockstar, der die Nacht durchgefeiert hat. Er öffnet gerne Schranktüren, schaut zur Beruhigung im Kühlschrank nach dem Licht, mag nur Kelloggs Frosties wenn sie ein bisschen matschig sind und alle zwei Treppenstufen, die er hinunter geht, steigt er eine Stufe rückwärts wieder rauf. Pina stellt sich dabei die Walzermusik aus den Sissi Filmen vor.
Pinas und Leos Zweisamkeit ist hart aber auch schön. Einen Nachmittag in der Woche passt Pinas Nachbarin Inge auf Leo auf und Pina geht dann für Inge einkaufen, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt. Das ist ein guter Deal und Pina liebt diese 1,5 Stunden nur für sich.
Aber dann bricht sie mitten auf der Strasse zusammen und liegt ins künstliche Koma versetzt im Krankenhaus. Und Leo? Inge kann sich nicht alleine kümmern.
In dem Mietshaus wohnen sonst noch zwei weitere Personen. Die sechzehnjährige Zola, die so wütend und störrisch ist, dass ihre wohlhabende Familie sie in diese Wohnung ausgelagert hat. Und Wojtek, der blasse junge Mann, der Entscheidungen danach trifft, ob bestimmte Dinge passieren oder nicht (wenn er bis hundert zählt und dann der Postbote um die Ecke kommt, dann geht er heute raus). Vielleicht können sie alle helfen? Irgendwie gemeinsam? Und warum hat Pina eigentlich keine anderen Angehörigen?
Liebevoll wird hier die Geschichte über einen jungen Mann erzählt, der Teil der Welt sein möchte und was seine Verbündeten ihm versuchen zu ermöglichen. So gut es geht. Rührend und lebensecht, auch einfach witzig und mit so schön urigen Personen hat mir dieses Buch einfach viel Freude bereitet.
Laura Pawletko
Informationen:
- Stand: April 2026
- List Verlag – Gebunden – 304 Seiten
- Preis: 21,99
- ISBN: 978-3-471-37006-3