All die Nacht über uns

gerhard jäger all die nacht über uns

Der zweite Roman von Gerhard Jäger nach „Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod“ ist wie ein Kammerspiel: EINE Nacht – EIN Mann und in seinem Kopf furchtbare Erinnerungen an die Vergangenheit.

Ein namenloser Soldat soll auf einem Wachturm an der Grenze entgegen aller Vorschriften die Nacht  allein verbringen, um sein Vaterland gegen „die bösen Eindringlinge“ zu verteidigen. Dabei raucht er, betrinkt sich und ballert mehr oder weniger sinnlos mit seinem Gewehr in der Gegend herum. Dazwischen schweifen seine Gedanken immer wieder ab. Der Soldat hat einige Schicksalsschläge erlitten und er weiß, dass er sich früher oder später seinen eigenen Dämonen stellen muß. Regen und ein fürchterlicher Sturm beuteln den Soldaten ebenfalls bis ins Unerträgliche.

Welch ein intensives, berührendes Buch! Der Leser wird förmlich von einer unsichtbaren Hand gepackt und in die Geschichte um einen namenlosen Soldaten hineingezogen. Am Ende wird man atemlos das Buch zuschlagen…

Welche Ereignisse in seinem Leben geschehen sind, verrate ich an dieser Stelle nicht, nur so viel: Seine Familie und insbesondere seine Großmutter spielen eine wichtige Rolle. Sie ist damals als junges Mädchen knapp dem Tod entronnen und aus Pommern geflüchtet. Ihre Erlebnisse hatte sie in ein Tagebuch notiert und genau jenes Buch übergab sie dann ihrem Enkel. Dieser kann nicht anders und greift in der einen Nacht regelmäßig zum Heft, um zu erfahren, was die Großmutter mitansehen und durchmachen mußte. Auch dabei schweifen seine Gedanken immer wieder ab, zudem muß er höllisch aufpassen, daß er wach bleibt, damit kein Flüchtling in sein „Vaterland“ gelangt.

In diesem Buch geht es um so vieles: Flucht, Verlust, Liebe, Familie, Hass, Wut… Ach, lesen Sie es bitte, am Ende ist Ihr Leben um einen großartigen Roman reicher!

„All die Nacht über uns“ ist voller Sprach- und Bildgewalt, eindringlich, poetisch, dicht geschrieben und unter die Haut gehend!“

(Georg Schmitt)

Trauriger Nachtrag:

© Fotodesign Bianca Wagner

Am 20. November 2018 verstarb Gerhard Jäger im Alter von nur 52 Jahren in Folge einer Gehirnblutung. Er hinterläßt seine Frau und eine Tochter. Nach einem tragischen Unfall im Jahre 2007 war er querschnittsgelähmt und mußte sich eines Sprachcomputers bedienen, um seine beiden wundervollen Romane zu „schreiben“. Einen schönen Nachruf finden Sie unter diesem Link der Tiroler Tageszeitung

Informationen:
  • Stand: 22. November 2018
  • Picus Verlag – gebunden – 240 Seiten
  • Preis: 22,- €
  • ISBN: 978-3-7117-2064-1
  • Leseprobe

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