Das Licht in deinen Augen

Ein Roman von Tommi Kinnunen

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„Wir kennen uns, obwohl du dort drinnen bist und ich hier, außerhalb des Bauchs deiner Mutter. Ich bin es, der für dich gesungen hat. Der deine Mutter um Erlaubnis gebeten hat, dich zu ertasten und zu berühren, das zu streicheln, was ich für deine Stirn halte. Ich liebe dich, obwohl ich dich noch nicht einmal gesehen habe.“ aus „Das Licht in deinen Augen“

Welch eine Freude, als ich hörte, daß ein neuer Roman von Tommi Kinnunen erscheinen würde. Noch viel größer wurde die Freude, als ich anfing zu lesen und feststellte, daß die Geschichte rund um Kinnunens Familie weitererzählt wird! Vorab kann ich aber Entwarnung geben: Man muß den ersten Roman „Wege, die sich kreuzen“ (Link zum Tipp siehe unten) nicht kennen, um gut in diese Geschichte hineinzufinden und abzutauchen. In „Das Licht in deinen Augen“ geht es um Helena und ihren Neffen Tuomas:

Wir befinden uns zunächst in den 1950er Jahre im Norden Finnlands. Helena hat schon früh ihr Augenlicht verloren, doch ihre Eltern möchten Helena eine bessere Zukunft bieten und schicken sie auf eine Blindenschule im weit entfernten Helsinki. In der Großstadt entdeckt sie ihre Liebe zur (Klavier-)Musik und bewirbt sich am berühmten Sibelius-Institut. Dies ist nur ein weiterer Schritt in die Unabhängigkeit, zudem lernt Helena den nicht-blinden Kari kennen, den sie später sogar heiraten wird.  Auch ihr Neffe Tuomas sucht den Weg in die unabhängige Existenz. Auch er gehört zu einer „Minderheit“. Als schwuler, junger Mann hat er in einem kleinen Dorf im Norden des Landes keine Chance, sich zu outen und das Leben zu führen, welches ihm guttut.  Daher begibt auch er sich in die Großstadt und läßt nicht nur die Familie, sonderne eigentlich sein komplettes Leben hinter sich…

„Das Licht in deinen Augen“ beinhaltet viele Textpassagen, die man am liebsten aufschreiben möchte!

Welche Wege diese beiden Menschen nehmen, wie die Vergangenheit und die Familiengeschichte immer wieder Einfluß nehmen und welche Begegnungen das Leben von Helena und Tuomas verändern, all dies erzählt der Autor in einer berührenden Sprache. Tommi Kinnunen geht ganz elegant nicht chronolgisch vor, sondern springt gerne mal von hier nach dort, aber nie so stark, daß man verwirrt wird. Außerdem werden die Familienverhältnisse durch einen Stammbaum am Anfang des Buches gut dargestellt, dies erleichtert das Lesen ungemein. Kinnunen ist wieder einmal ein besonderer Familienroman gelungen, der das Leben zweier Außenseiter eindrucksvoll wiedergibt. Alleine die Beschreibungen von Tuomas Gefühlen oder das Herantasten von Helena in die Welt der Sehenden sind einfach nur grandios!!!

(Georg Schmitt)

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