Geordnete Verhältnisse

Ein Roman von Lana Lux

Dieser Roman ist der Einzige auf meiner Lesezeit-Liste, den ich überhaupt nicht lesen wollte. Liebesromane lese ich ja allgemein eher ungern, und „Geordnete Verhältnisse“ geht dann auch noch um die schlimmste Form einer Beziehung, nämlich einer toxischen. Dass Liebe in der Geschichte nicht einmal zu Beginn eine Rolle spielt, wusste ich zu dem noch nicht. Jedenfalls stand dann der Vertreterbesuch an, niemand hatte das Buch gelesen, und da ich gerüchteweise recht schnell lese, nahm ich das Buch mit nach Hause – kann ja mal reinschauen – und las es prompt am selben Abend durch. Und musste dann erst mal sitzen.

Es geht um Philipp und Faina und schon auf der Rückseite des Buches wird verraten, das geht nicht gut aus. Was mich nicht daran gehindert hat, mit ganzem Herzen zu hoffen, dass es vielleicht insgesamt doch irgendwie gut ausgeht. Ob ich recht hatte, verrate ich jetzt nicht. Es beginnt jedenfalls mit einem Kapitel aus Philipps Perspekte, Philipp, der auf dem Klappentext schon nicht sooo gut wegkommt, man lernt so dies das über seine Kindheit und denkt anfangs oft, ach Mensch, der Arme, der hatte es echt nicht leicht. Bis er anfängt mit Menschen zu interagieren, fragwürdige Dinge zu äußern, und man langsam den Eindruck gewinnt, dass er vielleicht nicht ganz der missverstandene arme Kerl ist, für den er sich hält, und sich zunehmend fragt, warum um alles in der Welt Faina zu Philipp, ihrem einstigen besten Freund zurückkehrt.

In diesem Zustand der Verwirrung wechselt nun die Perspektive zu Faina und auch wenn man das eine oder andere Mal den Kopf schütteln mag über die Dinge, die sie tut, man versteht langsam, warum sie dachte, es sei eine gute Idee, von allen Menschen ausgerechnet Philipp um Hilfe zu bitten. Es entspinnt sich eine Geschichte unguter Abhängigkeiten, in der sich die Grenzen von Fainas Welt zunehmend enger zusammenzuziehen scheinen.

„Geordnete Verhältnisse“ ist ein schnelllebiger Roman, der in mehrerer Hinsicht auf Spannung setzt – Spannungen zwischen den Figuren und Spannung für uns beim Lesen. Es gibt kein klassisches „Gut und Böse“, nicht nur Philipp lädt zum Haare raufen ein, der entscheidende Unterschied ist letztlich, wie die Figuren mit ihren Charaktermängeln umgehen und welche Konsequenzen das nach sich zieht…

(Sarah Kranz)

Informationen:
  • Stand: April 2024
  • Hanser Verlag – Gebunden – 288 Seiten
  • Preis: 23,- €
  • ISBN: 978-3-446-27955-1
Bücherwurm der Buchhandlung am Sand